Kamera Fernauslöser per Smartphone

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Kamera Fernauslöser per Smartphone gab es schon einige und der bekannteste dürfte Triggertrap (gewesen) sein. Die Entwickler um Triggertrap mussten zuletzt ihr Unternehmen schliessen. Ihr innovativer Smartphone Fernauslöser Triggertrap wurde mittels einer Kickstarter-Kampagne zunächst mehr als erfolgreich finanziert, produziert und verkauft. Ein zweiter Versuch über eine Kickstarter-Kampagne eine eigene Fernsteuerung ohne Smartphone zu finanzieren glückte zunächst, doch leider konnte die mehr als ambitionierte modulare Fernsteuerung mit dem Namen „Ada“ nie fertiggestellt bzw. geliefert werden.

Die Entwicklungskosten für den modularen Fernauslöser „Ada“ waren um das fünffache zu niedrig kalkuliert worden und „Ada“ wäre zudem dreimal so teuer geworden als versprochen. Damit blieben viele Kickstart-Supporter auf ihrer Zahlung ohne Lieferung sitzen. Zunächst wurde versucht das Unternehmen im kleinen Stil weiter zu führen, doch das Vertrauen in die Firma ging verloren und die verbleibenden Geldmittel langten nicht mehr aus und im Februar 2017 wurden die Geschäfte dann endgültig komplett eingestellt. 

Die Baupläne für die Dongle-Hardware und der Quellcode zur Software Triggertrap-App und Timelapse-Pro wurden mittlerweile als Open-Source veröffentlicht. Die Zukunft ist allerdings weiterhin ungewiss und fragwürdig. Noch gibt es wohl vereinzelt Dongles zu kaufen und bis jetzt läuft die Software auch noch auf den aktuellen mobilen Betriebssystemen. Die Frage ist, wie lange noch und wie es danach weiter geht. Wird es ambitionierte Programmierer geben die eine neue App veröffentlichen? Wer nicht im trüben fischen möchte sollte sich meinen Alternativvorschlag ansehen: 

Miops Mobile Fernauslöser

miops Logo

Heute möchte ich zu Triggertrap eine Alternative vorstellen, das Miops Mobile Dongle mit passender Smartphone App für iOS und Android. Das Prinzip ist das gleiche: das Smartphone wird über ein verbindendes Kabel zum Kamera Fernauslöser. Das Dongle wandelt das Audiosignal der Miops Mobile App in Auslöseimpulse für die angeschlossene Kamera um und kann sie somit fernauslösen. Doch die Miops Mobile App ist mehr als nur ein schnöder Fernauslöser, es gibt eine ganze Reihe an Optionen die Kamera auszulösen. Der Einfachheit liste ich diese unten auf, so wie sie sich in der App präsentieren auf. Die Miops Mobile App gibt es zur Zeit leider nur in Englisch.

4 einfache Schritte zu Miops Mobile Dongle

4 einfache Schritte zu Miops Mobile Dongle

  • „Cable Release“ (Einzelauslösung für alle Belichtungsmodi* der Kamera)
    Die „Kabel-Auslösung“ ist die einfachste Art der Auslösung. Ein Tippen auf die Schaltfläche löst die Kamera aus. 
  • „Press & Hold“ (Langzeitbelichtung im Belichtungsmodus „bulb“)
    „Drücken und Halten“ der entsprechenden Schaltfläche entspricht der Aufnahmezeit im „bulb“ Modus also der Langzeitbelichtung. 
  • „Press & Lock“ (Langzeitbelichtung im Belichtungsmodus „bulb“)
    Beim „Drücken und Schliessen“ muss man die Schaltfläche einmal für den Start der Langzeitbelichtung drücken und ein zweites mal um die Belichtung zu beenden. 
  • „Timed Release“ (Einstellen der Belichtungszeit im Belichtungsmodus „bulb“)
    Für den „Zeitgesteuerten Auslöser“ muss die Kamera, wie bei den beiden vorherigen Modi auf „bulb“ stehen, in der App stellt man dann die gewünschte Dauer der Belichtung ein. Ideal beim ND-Filter Einsatz.
  • „Self Timer“ (Einzelauslösung für alle Belichtungsmodi* der Kamera)
    Beim „Selbstauslöser“ stellt man ein, wie viel Zeit vergehen soll, bevor die Kamera von der App ausgelöst wird.
  • „Timed Release & Self Timer“ (Einstellen der Belichtungszeit im Belichtungsmodus „bulb“ mit Selbstauslöser)
    Wie der Name sagt ist dies eine Kombination der beiden vorherigen Auslösearten.
  • „Basic Timelapse“ (Einfache Intervallaufnahme für alle Belichtungsmodi* der Kamera)
    Bei der „Einfachen Intervallaufnahme“ die man zum Erstellen von Zeitraffer (Bildserien) verwendet, erlaubt es die App die Anzahl der Auslösungen und die Zeit zwischen den Auslösungen einzustellen. 
Miops Mobile Dongle Box

Miops Mobile Dongle Box

  • „Long Exposure Timelapse“ (Intervallaufnahme und Einstellen der Belichtungszeit im Belichtungsmodus „bulb“)
    In der „Langzeitbelichtung Intervallaufnahme“ wird zusätzlich zur Anzahl der Auslösungen und der Pause zwischen den Auslösungen noch die gewünschte Belichtungszeit eingestellt.
  • „Bulb Ramping Timelapse“ (Intervallaufnahme und Einstellen einer sich verändernden Belichtungszeit im Belichtungsmodus „bulb“)
    Es wird Umfangreicher: Die „Langzeitbelichtung Intervallaufnahme“ wird in diesem Modus noch weiter ergänzt. Man gibt zusätzlich die Belichtungszeit für die erste und die letzte Aufnahme ein , sowie die Anzahl der Bilder.
  • „Road Lapse“ (Strecken-Intervallaufnahme für alle Belichtungsmodi* der Kamera)
    Mit dem „Straßen-Intervall“ lassen sich eine gewünschte Anzahl von Aufnahmen auf einer Wegstrecke auslösen. In der App gibt man neben der Anzahl der Bilder noch die Distanz an, nachdem jeweils eine Auslösung erfolgen soll. Bewegt man sich nun mit Kamera und Smartphone und hat die entsprechende Distanz zurückgelegt erfolgt eine Aufnahme.
  • „HDR Timelapse“ (Intervall Belichtungsreihe mit 3, 5 oder 7 Aufnahmen im Belichtungsmodus „bulb“)
    Die unten stehende „HDR“ Belichtungsreihe wird in diesem Modus mit einem Intervall kombiniert. Das heißt, das man eine Serie von „HDR“ Belichtungsreihen anfertigen kann. Es wird die Anzahl der Belichtungsreihen und der Zeitabstand zwischen den Belichtungsreihen eingestellt.
Miops Mobile Dongle unboxing

Miops Mobile Dongle unboxing

  • „HDR“ (Belichtungsreihe mit 3, 5 oder 7 Aufnahmen im Belichtungsmodus „bulb“)
    Bei der „HDR“ Belichtungsreihe kann man neben der Anzahl der Auslösungen noch die Belichtungszeit der mittleren Aufnahme einstellen, hier stehen feste Zeiten zwischen 1/15 und 15 Sekunden zur Verfügung. Die Belichtungsunterschiede sind einstellbar mit 1/3, 1/2, 1 und 2 Belichtungsstufen (in der App als EV = Exposure Value angegeben).
  • „Sound“ (Auslösung bei Geräusch für alle Belichtungsmodi* der Kamera)
    Die „Auslösung bei Geräusch“-Funktion nutzt das Mikrofon des Smartphone um ein Auslösen der Kamera zu erwirken. Die Empfindlichkeit des Mikrofons auf ein Geräusch lässt sich einstellen und ob nach einem Geräusch oder bei jedem Geräusch, das laut genug ist, die Kamera ausgelöst werden soll.
  • „Vibration“ (Auslösung durch Bewegung für alle Belichtungsmodi* der Kamera)
    Ähnlich wie bei der Auslösung durch Geräusche wird im „Auslösung durch Bewegung“ Modus das Smartphone selbst zum Auslöser. In diesem Modus ist es nicht das Mikrofon sondern sind es die Bewegungs-Sensoren im Smartphone die auf Erschütterung bzw. Bewegung reagieren und so zur Auslösung der Kamera führen. 
  • „Motion“ („Lichtschranken“-Auslöser für alle Belichtungsmodi* der Kamera)
    Auch hier kommt das Smartphone selbst zum Einsatz und in diesem Modus ist es die im Smartphone eingebaute Kamera. Ähnlich wie bei einer Lichtschranke oder einem Bewegungsmelder wird die Empfindlichkeit auf Veränderungen im Bild der Smartphone-Kamera eingestellt, wird der Schwellwert überschritten gibt es eine Auslösung. Damit man das Smartphone platzieren oder selbst durch das Bild noch schnell entschwinden kann, lässt sich eine Verzögerung einstellen, bis die Auslösefunktion scharf ist. Auch in diesem Modus läßt sich die Anzahl der Bilder festlegen, die nach der ersten Auslösung getriggert werden sollen.
Miops Mobile Dongle

Miops Mobile Dongle Smartphone Fernauslöser

  • „Scenario“ (Programmierung und Kombination der Auslösemodi)
    Dieser Modus läßt die Programmierung der einzelnen Funktionen zu. Naja, ein richtiges Programmieren ist es nicht, aber wie in einem sequentiellen Programm, lassen sich die Funktionen beliebig aneinanderreihen. So könnte man zum Beispiel eine  „Langzeitbelichtung Intervallaufnahme mit variablen Zeiten“ nutzen und im Anschluss eine normale  „Langzeitbelichtung Intervallaufnahme“ anhängen. Zusätzlich lassen sich die selbstdefinierten Sequenzen noch zu bestimmten Zeiten (Tag/Stunde/Minute) starten. Der Kreativität sind hier kaum Grenzen gesetzt. Beim Verlassen der App bleibt die zuletzt festgelegte/programmierte Sequenz gespeichert. Leider kann man nur ein „Szenario“ festlegen.


*
Mit allen Belichtungsmodi sind die Vollautomatik, Programmautomatik, Blendenautomatik, Zeitautomatik und der manuelle Modus gemeint. 

Ich habe das Miops Mobile Dongle mit meiner Canon EOS 7D getestet und es funktionierten alle Modi wie vorgesehen. Zum Spaß an der Freude habe ich sogar das Dongle mit der Triggertrap-App und das Triggertrap-Dongle mit der Miops App ausprobiert, beide Kombinationen funktionierten hervorragend. Wenn also die Triggertrap-App nach dem nächsten Update des Smartphones nicht mehr funktionieren sollte können die Triggertrap-Dongle Besitzer auf die Miops App ausweichen. Und für die, die schon den Lötkolben aufheizen wollten um sich ein eigenes Dongle nach den Triggertrap-Bauplänen zu bauen mein Rat: spart Euch die Mühe (es sei denn Ihr habt Spaß daran zu basteln) kauft Euch lieber gleich ein fertiges Miops Dongle.

Das Miops Mobile Dongle könnt Ihr über diese Links bei Amazon bestellen, so erhalte ich einen kleinen Beitrag und Ihr ohne Mehrkosten einen tollen Kamera Fernauslöser (Tipp: Fahrt mit der Maus über die einzelnen Bilder bis die Bildbeschriftung eingeblendet wird und sucht nach Eurer Kameramarke):

Hier gibt es die Miops-Mobile App:

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Über Jörg Knörchen

Jörg Knörchen (Herzogenrath) ist gelernter Bürokaufmann, hat neben dem Fachabitur für Sozialpädagogik, lange Zeit als Reiseverkehrskaufmann gearbeitet und ist nun Vollzeit IT-Spezialist (Microsoft) und nicht zuletzt Fotograf. Zu seinen Lieblingsmotiven zählen Natur- und Landschaftsaufnahmen. Zu seiner Vorliebe für das Reisen sagt Knörchen selbst: „Ich bin eher den nordischen Ländern verbunden, neben Irland, Finnland, Island und England habe ich die kanadische Provinz Nova Scotia bereits mehrfach besucht und mich in dieses schöne Fleckchen Erde verliebt.“ Er fotografiert bereits seit über 30 Jahren, angefangen mit analoger Fotografie und eigener Schwarz/Weiß-Dunkelkammer, in der er Filme selbst entwickelt und Fotos ausbelichtet hat. Heute fotografiert er ausschließlich digital. Sein Wissen und seinen Erfahrungsschatz teilt er unter anderem in Vorträgen über seine Reisen, gibt Fotoseminare und Kurse, lädt zu Exkursionen ein und bloggt nicht zuletzt über all diese Themen.

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